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DIE BUNTE WELT
MENGENBILDER FÜR DIE JUGEND
Veröffentlichungen des
Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums.
Artur Wolf Verlag, WienAlle Rechte vorbehalten.
Copyright 1929 by
ARTUR WOLF VERLAG, VIENNA,
I., Seilerstätte 1.
Lith. und Druck: H. Kamptner & J. Czeruy,
Wien, XI. Tei. R-33-1-58.No text on this page.
Die Völker der Erde marschieren auf: voran die Weißen, in
städtischer Kleidung. Der größere Teil von ihnen lebt in Europa und
Nordamerika, der Rest in Südamerika, Australien, Asien, Afrika.
Sie haben große Städte mit hohen Häusern, Fabriken und Banken:
moderne Wirtschaftsform.
Es folgen die braunen Menschen mit Burnus und Turban. Sie
leben in dem Gebiete von Marokko bis Insulinde (Malaiischer Ar-
chipel). Wir kennen ihre Vorfahren aus 1001 Nacht. Geschickte Hand-
werker und Gärtner, Bauern und Kaufleute, die Träger der indischen
und orientalischen Altkultur, sind unter ihnen, Manche der Braunen
leben auf niedriger Stufe von Jagen und Sammeln.
Die Schwarzen Afrikas sind primitive Ackerbauer, Jäger und
Sammler. Nur in den Küstengebieten beginnen sie europäische Lebens-
formen anzunehmen. Viele Neger wurden als Sklaven nach Nord- und
Südamerika verkauft und haben sich nach ihrer Befreiung der Lebens-
form der Weißen angepaßt. Zu ihnen zählen wir die Mulatten (Misch-
linge zwischen Negern und Weißen) und die Sambos (Mischlinge zwi-
schen Negern und Indianern).
Die Indianer Perus und Mexikos hatten eine alte Kultur. die etwa
der des heutigen Indien und China verwandt war. Sie wurde von den
Spaniern zerstört. Reine Indianer gibt es nur noch wenige, wohl aberviele Mestizen (Mischlinge zwischen Weißen und Indianern), die un-
gefähr wie Europäer leben. Sie spielen eine führende Rolle, zum
Beispiel in Mexiko.
Zu den Gelben zählen wir die Chinesen, Japaner, Siamesen und
Indochinesen, sowie die Bewohner von Birma, die politisch zum indi-
schen Reich gehören. Die Chinesen und Japaner haben eine Altkultur,
ähnlich der indischen, Von allen Gelben haben sich die Japaner den
Weißen kulturell am meisten angenähert.
Die Weißen und die Roten sind im allgemeinen Christen, die
Braunen im allgemeinen Hinduisten und Mohammedaner. Die Gelben
sind vor allem Anhänger des Buddhismus und des Ahnenkults, des
Konfutsianismus und des Taoismus; in Japan ist Shintoismus die
Staatsreligion. Den Primitivkulten (Geisterglaube, Zauberei, Feti-
schismus) hängen vor allem die Neger des tropischen Afrika, dunkel-
farbige australische Inselbewohner und manche nordasiatische
Stämme an. Juden gibt es im ganzen nur etwa 13 Millionen. Die
ständig wachsende Zahl der Freidenker und Religionslosen läßt sich
nicht genau feststellen.N __. nn _—_. .nn. . . . N.
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In Europa und Ostasien wohnen die Menschen am engsten beieinander.
Auch in Indien und Teilen Nordamerikas sind große Massen beisammen.
Wenn die Menschen vom Sammeln und Jagen leben, brauchen sie viel Land.
Zu Beginn unserer Zeitrechnung lebten die Menschen nördlich der römischen
Grenzmauer noch nicht so dicht wie die Römer, die kulturell fortgeschrittener
waren. Europa konnte bei zunehmender Bodenausnutzung und industrieller
Entwicklung immer mehr Menschen ernähren. Die moderne Wirtschaftsform
ist verhältnismäßig jung, aber sie hat sich rasch ausgebreitet. Während die primi-
tiven Völker seit zwei Jahrtausenden an Menge gleichgeblieben sind, haben sich
die kultivierten Völker stark vermehrt. Die europäischen Völker, welche früher
als die anderen Kanonen, Gewehre, Kriegsschiffe usw. zu bauen lernten und
organisatorisch überlegen waren, haben vor allem über schwarze und braune
Menschen die Herrschaft an sich gerissen, die erst allmählich aufhört. Kämpfe
in Indien, Ägypten usw. künden das Ende an. Gelbe Völker zu unterjochen ist
ihnen fast nirgends gelungen. Diese haben selbst große Reiche gegründet. Das
größte unter ihnen, China, umfaßt ebenso viele Menschen wie ganz Europa, das
in mehr als zwanzig Staaten zerspalten ist.VERTEILUNG DER MENSCHEN AUF DER ERDE
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Jede Figur = 25 Millionen Menschen laggen ‚am Boden: herrschende KolonialmachtDie stärkste Kolonialmacht ist Großbritannien, Es be-
herrscht Ländergebiete in allen Erdteilen. Das sind die
britischen Kolonien und Dominions. Die Dominions (Ka-
nada, Neufundland, Südafrika, Australien, Neuseeland, der
irische Freistaat) haben eigene Parlamente.
Auch Frankreich ist eine starke Kolonialmacht. Sein
Besitz bildet zum größten Teil ein geschlossenes Gebiet an
beiden Ufern des Mittelländischen Meeres. Die kleinen
Länder Holland, Belgien und Portugal haben unverhältnis-
mäßig große Kolonien. Verschwindend dagegen ist der
Kolonialbesitz Spaniens und Italiens. Von den nichteuropäi-
schen Kolonialmächten sind die wichtigsten die Vereinigten
Staaten von Nordamerika (USA, United States of America),
die Kolonien auf den Philippinen haben, und Japan, das die
Halbinsel Korea unter seine Herrschaft gebracht hat.
Die Kolonialmächte Britisches Reich, USA, Frankreich
sind zugleich starke Industriestaaten. Industrie befindet
sich vor allem in Europa und Nordamerika. Sie wächst aber
in Japan und in den Kolonien, die den Mutterländern eine
ernstliche Konkurrenz zu werden beginnen.mi)
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2 .Die weißen Menschen mit moderner Wirtschaftsform leben vor allem im
Gebiete der gemäßigten Zone, wenige in den Subtropen, in denen aber ein
großer Teil der braunen und gelben Menschen lebt.
In Afrika und Asien sind Wüsten und Steppen wenig bewohnt, ebenso
tropische Urwälder in Mittelamerika, Indien ist das einzige Gebiet mit tropi-
schem Pflanzenkleid, das viele Menschen beherberst.
Großbritannien, dessen Kolonien am weitesten auseinanderliegen, hat die
stärkste Handelsflotte.
Die Verschiedenheiten der Bodennutzung und des Rinderbestandes in den
einzelnen Ländern zeigen die Unterschiede in den Lebensbedingungen. Süd-
amerika ist reich, Ostasien ganz arm an Rindern. Da Südamerika verhältnis-
mäßig wenig Einwohner hat, kann es Rinder exportieren.
Die Bedeutung einzelner Länder hängt mit ihren Rohstoffen zusammen.
Petroleumgebiete gewinnen an Bedeutung, seitdem das Öl zur Schiffsheizung
und ähnlichen Zwecken verwendet wird. So beruht ein Teil der Wirtschafts-
macht von USA auf seinen Erdölschätzen,
Es besitzt auch ungefähr vier Fünftel der Autos auf der Erde und verfügt
über mehr als die Hälfte der gesamten Produktion von sehr vielen wichtigen
Rohstoffen (Baumwolle, Petroleum, Steinkohle, Stahl, Roheisen, Kupfer und
andere).
20HANDELSMARINEN DER ERDE 1923
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VEREINIGTE STAATEN VON AMERIKA
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Dieselben Menschen, die alle möglichen hygienischen
Maßnahmen treffen, um das Leben zu verlängern, töten sich
gegenseitig in großen Mengen. Es haben sich 1914 die krieg-
führenden Staaten zu großen Verbänden zusammengeschlos-
sen, auf der einen Seite zur „Entente“ (England, Frankreich,
Rußland, USA, Italien, Serbien usw.), auf der anderen zu den
„Mittelmächten“, zu denen vor allem Deutschland und Öster-
reich zählten. Vor dem Kriege hatte Deutschland noch
Kolonialbesitz. Großbritannien beherrscht jetzt fast ein
Viertel aller Menschen.
Mit der Beendigung des Weltkrieges hörte in vielen
Ländern die monarchische Staatsform auf, Den weitest-
gehenden Umsturz brachte die Revolution in Rußland,
heute: „Union der sozialistischen Sowjetrepubliken“, ge-
ringer war er in den Staaten, die zu bürgerlichen Repu-
bliken wurden. Durch diesen Umsturz haben Adels- und
Herrschergeschlechter und der Großgrundbesitz an Macht
verloren, während die Arbeiterschaft vor allem in der Union
der sozialistischen Sowjetrepubliken an Macht gewon-
nen hat.
28MACHTE DER ERDE Jede Figur= 25 Millionen Menschen
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E GEWERKSCHAFTEN
DER ERDE
Internationaler Gewerkschfisbundd 070 5 I ee:
hristliche Gewerkschaften Mn
Faschistische Gewerkschaften Italiens ı Ä
Rote Gewerkschafts-Internationdee Ba =
Amerikanische Gewerkschaften A >=
Sonstige Gewerkschaften
jede Figur= 5 Millionen Mitglieder
Die Gewerkschaften sind rasch groß geworden, ihre Entwicklung war nach dem
Umsturz sprunghaft, Drei Viertel aller Gewerkschaften (IGB, Rote Gewerkschaftsinter-
nationale und nach ihrem Programm auch die amerikanischen Gewerkschaften) stehen
auf dem Boden des Klassenkampfes.
Die Zahl der Frauen, die beruflich arbeiten, nimmt zu, ebenso ihr Anteil an dem Mit-
gliederstand der Gewerkschaften. Durch den Krieg wurde diese Entwicklung besonders
beschleunigt.
Allmählich gleicht sich die Lebenshaltung in den verschiedenen Ländern aus, aber
noch ist die Spannung der Arbeitslöhne groß. Ein chinesischer Kuli muß einen Monat lang
mit soviel auskommen, als man sich für etwa 25 Mark oder 40 Schilling kaufen kann. Auch
innerhalb der Länder ist der Unterschied der Einkommen groß.
Die große Verschiedenheit der Einkommen erkennt man auch an der Grundbesitz-
verteilung. Wo es Großgrundbesitz gibt, gibt es Landarbeiter und Knechte mit beschei-
denem Einkommen neben den meist wohlhabenden Großgrundbesitzern und Großbauern.
Die soziale Gliederung ist in Stadt und Land verschieden, ein Beispiel ist Wien und
Österreich ohne Wien. In der Stadt gibt es weniger Selbständige.
Die Bedeutung der sozialen Lage drückt sich nicht nur im Einkommen aus, sondern
auch in der Auswirkung der Lebensführung auf Leben und Gesundheit. In ärmeren Be-
zirken sterben von gleich vielen Geborenen mehr Kinder im ersten Lebensjahr als in
reicheren.
32MÄNNER UND FRAUEN IM WIENER KLEIDERMACHERGEWERBE
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Jede Figur = 2000 Beschäftigte, abge
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Ein Lebensmittelkorb bedeutet so viel an Nahrung und Wohnung,
als man ın Österreich für 40 Schilling kaufen kann.
jeder Stoss Körbe bedeutet den durchschnittlichen Monatslohn in einer Stadt.
GESELLSCHAFTS-
UND WIRTSCHAFTSMUSEUM IN WIEN AREICHE UND ARME
PREUSSEN
Ein Streifen mit einem Geldschein bedeutet ein
Jahreseinkommen von ca. 200 Million. Pfund Sterling
oder 4Milliarden Mark.
Jede Figur auf dem Streifen bedeutet 3 Millionen
Menschen,die von dem Gelde leben.
Als Grenze zwischen” Reich und Arm"'wurde ein
Monatseinkommen von ca.250Mark proFamilie ange-
nommen.
Die Reichen Englands,
ein Sechstel der Gesamtbe-
völkerung, beziehen die Hälfte des gesamten Einkom-
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In Preussen haben sowohl die Reichen als die
Minderbemittelten weniger Geld zur Verfügung als
in England.
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32SOZIALE GLIEDERUNG IN OSTERREICH OHNE WIEN
sOZIALE GLIEDERUNG IN WIEN
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Jede Figur- 150.000 MenschenSÄUGLINGSSTERBLICHKEIT UND SOZIALE LAGE IN WIEN
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Ser?Die Eheschließungen schwanken mit Krieg
und Frieden, ebenso Geburt und Tod.
Das Schicksal von Ländern drückt sich oft aus
im Verhältnis der Zahl der Kinder zur Zahl der
Erwachsenen, Die Franzosen sind in diesem
Sinne ein älteres Volk als die Deutschen, womit
ihre höhere Sterblichkeit zusammenhängt.
Die Zahl der Geborenen nimmt in den großen
Städten noch rascher ab als die Zahl der Ge-
storbenen. Dies und die Rückwirkung des Krieges
sieht man am AÄltersaufbau. Manche jugendliche
Jahrgänge sind besonders schwach besetzt (die in
der Kriegszeit Geborenen). Auch der Ausfall der
Männer ist sichtbar. |
Der Überblick über die sozialen Verhältnisse
in den Ländern der Erde wird gewonnen durch
Vergleiche verschiedener Tafeln, zum Beispiel
Verteilung der Menschen auf der Erde, Verteilung
der Industrien auf der Erde. Pflanzenkleid usw.
41EHESCHLIESSUNGEN IN DEUTSCHLAND
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jede Signatur= 400.000 Eheschliessungen GESELLSCHAFTS
UND WIRTSCHAFTSMUSEUM IN WIENGEBURTEN UND STERBEFÄLLE IN DEUTSCHLAND
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jedes Kind =] Million Lebendgeborene. Jeder Sarg = | Million SterbefälleKINDER UND ERWACHSENE 1920
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Jede Figur = 3 Millionen Menschen, abgerundet Als Altersgrenze wurde 15 Jahre angenommenALTERSAUFBAU IN DEUTSCHLAND 1925
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Jede Figur 200.000 Menschen
GESELLSCHAFTS
UND WIRTSCHAFTSMUSEUM IN WIEN
45GEOGRAPHISCHE GRUNDLAGEN
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AUSTRAL
SUDL. POLARKREIS
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WESTL LANGE OSTL. LANGEFür geographische Darstellungen wurden immer
flächentreue Karten gewählt, weil es hier meist auf die
Größe der Länder und auf Dichtedarstellungen ankommt.
Meridiane, Breitenkreise, Länderbezeichnungen wurden
weggelassen, können aber durch Vergleich mit der letzten
Tafel festgestellt werden.
Unter „Lateinamerika“ sind die Gebiete verstanden, in
denen vorwiegend spanisch und portugiesisch gesprochen
wird (Mittel- und Südamerika). Demgegenüber heißen die
nördlichen Teile „Angloamerika“,
Diese Tafeln wurden im Gesellschaft- und Wirtschafts-
museum in Wien hergestellt, das gerne Wünsche nach neuen
Tafeln entgegennimmt. Es bittet auch, ihm Fehler und Ver-
sehen mitzuteilen, damit sie in der nächsten Auflage ver-
bessert werden können.
Die Direktion des Gesellschafts-- und Wirtschafts-
museums befindet sich in Wien, XIV., Ullmannstraße 44.
47Artur Wolf Verlag, Wien
E Veröffentlichungen des
\ (/ | Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums.